Anleitung zum Fremd studieren
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Karriereberater Urs Kaufmann sagt: «Mit einem Austauschjahr oder einem Praktikum erwirbt man sich begehrte Zusatzqualifikationen. Man zeigt damit, dass man in einer fremden Umgebung, vielleicht Tausende Kilometer von zu Hause entfernt, auf eigenen Füssen stehen kann.» Was ein potenzieller Arbeitgeber meist gerne sieht. «Unabhängigkeit, Anpassungsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit gelten als wichtige Soft Skills», so Kaufmann.
Trompete auf Litauisch?
Thomas Steiner, Jusstudent an der Uni Luzern, entschied sich für die litauische Hauptstadt Vilnius, wo sich eine Partneruni von Luzern befindet. Litauisch sprach er kaum - das war auch nicht nötig, denn seine Vorlesungen wurden in Englisch gehalten. Allerdings waren diese Vorlesungen speziell auf Erasmus-Studenten zugeschnitten und wurden fast ausschliesslich von diesen besucht - wer den Kontakt mit den einheimischen Studenten suchte, musste sich aus der Studierstube wagen. «Ich spielte in einer Jazz-Bigband an der Uni. Bald wurde ich von Musikern aus der Stadt angefragt, ob ich mit ihnen spielen wollte.» Fliessend Ltauisch lernte Thomas Steiner dennoch nicht in dem Erasmus-Semester, was notgedrungen zu Kreativschüben mit Ganzkörpereinsatz führte. «Meinen Wäscheständer kaufte ich mit meinen paar Brocken Litauisch und dem Einsatz von Händen und Füssen.»
Der Karriere-Booster
Thomas Steiners Karriere-Boost kam postwendend: Gleich nach dem Semester an der Universität Vilnius bewarb sich der Student um ein Praktikum beim Rechtsdienst der litauischen Regierung. «Ich fragte einen meiner litauischen Professoren an», erzählt er, «der sicherte mir die Stelle zu - vorausgesetzt, dass ich dafür eine Finanzierung finde.» Er bewarb sich für ein Stipendium im Rahmen von «Leonardo», einem EU-Programm zur Finanzierung von Praktika, an dem die Schweiz beteiligt ist. Nach drei Monaten Praktikum nahm er das Studium in Luzern wieder auf. Er kennt angehende Juristen aus ganz Europa, hat sich mit einer völlig fremden Sprache bekannt gemacht und bereits internationale Arbeitserfahrung. Und: Er verlor keine Zeit durch den Auslandaufenthalt - alle litauischen Vorlesungen wurden angerechnet.
Glück notwendig
Natürlich gehört Glück dazu, um einen Erasmus-Platz zu bekommen und dann auch noch einen Praktikumsplatz zu finden. In diesem Semester werden um die 100 Fachhochschulabsolventen aus Luzern und rund 10 Unistudenten mit Erasmus im Ausland studieren. «Wir machen keine Werbung für die Austauschplätze, wir haben schon jetzt zu viele Anfragen», sagt Claire Thilo, Verantwortliche für die Austauschprogramme an der Fachhochschule Zentralschweiz. An der Uni ist Erasmus noch nicht so etabliert; es bestehen aber Abkommen mit 30 Partneruniversitäten.
Werde Free Mover
Neben Erasmus gibt es je nach Hochschule oder Fakultät spezifische internationale Austauschprogramme, und auch innerhalb der Schweiz ist mit dem Projekt Unimobil das Studium an anderen Unis möglich. Wer an eine ausländische Hochschule möchte, die kein Partnerschaftsabkommen mit der eigenen hat, kann dies als Free Mover tun. Anders als bei Erasmus muss man sich hier bei der eigenen Hochschule beurlauben lassen und die Semestergebühren der Gasthochschule bezahlen. «Besonders an Unis im englischsprachigen Raum gibt es Free Movers», sagt Michael Dischl, Projektleiter Mobilität an der Universität Luzern. Dies, weil jene Unis selten in Netzwerken organisiert sind. Allerdings sind dort die Semestergebühren bis zu zehnmal höher als in der Schweiz.
Tipps fürs Austauschjahr
Timing: Ein Jahr vor dem Austausch sollte man damit beginnen, sich zu informieren. Anmeldeschluss ist meist rund ein halbes Jahr vor Beginn des Auslandaufenthaltes.
Unterkunft: Je nach Land kann es billiger kommen, nicht in einem Studentenheim, sondern in einer Wohngemeinschaft oder zur Untermiete zu wohnen. Infos dazu findet man meist auf Wohnungsbörsen auf dem Internet.
Anerkennung: Es lohnt sich, bereits vor dem Auslandaufenthalt den Stundenplan zusammenzustellen und mit dem zuständigen Professor abzuklären, ob die entsprechenden Vorlesungen hier anerkannt werden.
Networking: Es hilft, wenn man über das Mobilitätsbüro oder Bekannte Kontakt mit Studenten aufnimmt, die bereits an der gewünschten Hochschule einen Austausch absolviert haben. Sie können wertvolle Tipps zu (Studien-)Alltag und Wohnungssituation liefern.
Kontaktadressen im Internet
Praktika im Ausland
www.studex.ch; www.eurodyssee.net
Regierungsstipendien und Büro Erasmus Schweiz:
www.crus.ch
Praktika, Stipendien, Leonardo:
www.leonardo-da-vinci.ch
Luzia Mattmann

