Pensionierungskoller
«Leergut» ist ein Film über das Pensionierungsalter. Das liegt insofern nahe, als Zdenek Sverák, der Hauptdarsteller, auch das Drehbuch geschrieben und die Rolle auf sich zugeschnitten hat. Regisseur ist sein Sohn Jan Sverák. Die beiden sind quasi ein filmisches Familienunternehmen und stehen in der Tschechischen Republik für erfolgreiches Kino: In ihrer Heimat schlagen die Filme der Sveráks regelmässig Zuschauerrekorde, «Volksschule» wurde 1992 für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert und vor zehn Jahren hat das Duo die Trophäe für «Kolya» erhalten. Auch «Leergut» hat bereits an zahlreichen Filmfestivals Publikumspreise gewonnen.
Sverák Senior spielt einen Lehrer, der von Schule und Schülern genug hat und von einem Tag auf den anderen kündigt. Das Berufsleben aufgeben will er jedoch noch nicht. Oder vielleicht hat seine Frau Recht, wenn sie, sichtlich enttäuscht, behauptet, er hätte Angst davor, die Tage gemeinsam mit ihr zu verbringen. Er gibt das zwar nicht direkt zu, sucht sich aber doch um jeden Preis einen neuen Job. Zunächst versucht er sich als Fahrradkurier und scheitert dabei nicht etwa an seiner Kondition, sondern an der Funkverbindung zur Zentrale. Erfolgreicher ist er bei der Altglas-Entgegennahme eines Warenhauses. Die Arbeit bietet ihm, was er sucht: Kontakt zu anderen Menschen und die Möglichkeit, den Problemen mit seiner Frau auszuweichen – die ihn zuletzt auf überraschende Art doch einholen.
Die Auseinandersetzung mit den Freuden und Leiden des Pensioniertendaseins ist so humorvoll wie ernsthaft. «Ich bin kein gelernter Schauspieler und verfolge nicht das Ziel, etwas zu verkörpern, sondern möglichst authentisch zu sein», sagt der Vater über sich und die Rolle, die er für sich geschrieben hat. Auch Jan Sverák bestätigt: «Der Film kreist um Dinge, die er in den letzten Jahren erlebt hat, auch Dinge, die sich zwischen ihm und meiner Mutter abgespielt haben.» Da ist leicht nachzuvollziehen, dass die beiden nervös waren, als sie ihr das Drehbuch zum Lesen gaben, steht es doch um die Beziehung von Josef und seiner Frau Eliska nicht zum Besten. Diese Beziehungsprobleme werden genauso wie die Weigerung, sich nutzlos zu fühlen, mit einem trockenen Humor abgehandelt, der Melodrama so gut vermeidet wie Klamauk.
Dazu trägt nicht nur Sveráks Authentizität bei, sondern auch diejenige seines Filmpartnerin Daniela Kolárová. Bisweilen lässt sie die Leinwand einfrieren, wenn ihr sonst so leutseliger Mann daheim in Schweigen versinkt, im nächsten Moment nervt sie mit einem Kontrolltick und strahlt dann wieder eine Zärtlichkeit aus, die klar macht, dass unter der Alltagsroutine die Liebe eher gewachsen als erloschen ist.
sew
Regie: Jan Sverák
Darsteller: Zdenek Sverák, Tatiana Vilhelmová, Daniela Kolárová, Alena Vránová
Produktion: Tschechien, Grossbritannien (2007)
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Web: Offizielle Filmhomepage »
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