Luzern 04.03.2010 05:00

Wie die Leute von Schilda schliesslich doch eine Salle Modulable bauten

Zur Salle Modulable. Jean-Paul Anderhub

Die Schildbürger fällen Bäume und wollen die Stämme in ihre Stadt bringen. Sie stellen fest, dass das Stadttor zu schmal ist: Die Baumstämme passen der Breite nach (sie tragen sie parallel zur Mauer!) nicht durch. Also reissen sie links und rechts vom Tor die Stadtmauer ein, bis die Stämme hindurchpassen. Als sie fertig sind, merken sie, dass es einfacher gewesen wäre, die Baumstämme der Länge nach durch das Tor zu tragen. Sie tragen nun also alle Stämme wieder aus der Stadt, mauern die Stadtmauer links und rechts wieder zu und tragen die Stämme abermals durch in die Stadt.

Bekannt ist auch die Geschichte vom Rathausbau, bei dem die Fenster vergessen wurden. Als die Schildbürger merkten, dass drin kein Licht war, trugen sie dieses in Säcken ins neue Rathaus. Noch nicht bekannt ist die Geschichte vom Bau einer «Salle Modulable» in Schilda. Die Schildbürger planten Grosses, einen wahren Weltwunderbau mit 1200 Plätzen: Opernbühne mit Haupteingang, Musikhochschule mit eigener Experimentierbühne sowie einen Annexbau mit Hintereingang; eine Bühne für Schauspiel- und Tanz – alles unter einem Dach. Und, oh Wunder, zu den gleichen Unterhaltskosten wie bisher! Dann merkten die ehrgeizigen Schildbürger, dass dieses Wunderwerk nirgendwo in der Stadt Platz hatte, und erwogen, es vor den Stadttoren zu errichten. Aber als sie merkten, dass dort wohl niemand hingehen würde, wurden sie ratlos. Einige besonders Geniale schlugen vor, den gigantischen Wunderbau auf dem Güterbahnhof zu platzieren. Damit das ganze Projekt endlich Zug bekomme! Oder wie Schildas Kulturdezernentin sagt: Die Salle Modulable muss 2010 «Fahrt aufnehmen». Endlich merkten einige besonders Pfiffige, dass mitten in Schilda ja bereits ein Theater stand. Ende gut, alles gut: Das gute alte Stadttheater wurde nach zeitgemässem Umbau zur prächtig zentral gelegenen Schauspiel- und Tanzbühne. Die Musikhochschule fand ihren idealen Standort im ehemaligen Hotel Union. Und die Opernbühne? Da sie nun nicht mehr so monströs war (nur noch 750 Plätze, aber dafür immer voll ausgebucht), fand als architektonisches Meisterwerk ihren prächtigen Platz – auf dem Inseli, in der Nähe des Bootshafens oder auf Stelzen in der Reuss unterhalb der Spreuerbrücke. Oder vielleicht doch in Kriens? Happy End in Schilda – wer hätte dies für möglich gehalten!

Jean-Paul Anderhub, Luzern, Schauspielleiter Stadttheater Luzern 1980–1987